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Mach doch mal eine Familienaufstellung

 1.Mach doch mal eine FamilienaufstellungImmer wieder erzählen mir Klienten, dass sie von Freunden oder Bekannten die Empfehlung bekommen:

                            „Mach doch mal eine Familienaufstellung.“

bei Schwierigkeiten innerhalb ihrer Beziehung, Partnerschaft oder Elternkonstellation. Dabei bleibt relativ vage, was eine Familienaufstellung überhaupt ist.

Da ich selbst die Ausbildung zur Systemischen Therapeutin absolviere und schon längere Zeit Aufstellungen praktiziere, möchte ich hier einen Einblick geben.

Die Arbeit mit Familienskulpturen wurde Ende der 1960er Jahre von Virginia Satir in den USA entwickelt. Bei uns in Deutschland wurde der Ansatz vor allem unter dem Begriff der Familienaufstellung bekannt. Mit der Aufstellungen können die spezifischen familiären Grundstrukturen, wie beispielsweise: Nähe und Distanz, familiäre Rangfolgen oder Ausrichtungen räumlich-bildlich sichtbar gemacht werden. Wer steht wie zu wem? Wer hat welchen Platz in der Familie? Welche Personen gehören dazu? Diese Aufstellungen können sowohl mit der  Familie selbst, als auch mit Einzelnen, die aus einer Gruppe stellvertretende Personen für ihre Familienmitglieder auswählen und im Raum aufstellen, durchgeführt werden.
Durch dieses Positionieren werden in den Darstellern (Stellvertretern) Gedanken, Gefühle oder Körperempfindungen ausgelöst, die typisch sind für die bestehenden Beziehungen innerhalb der Familie. Sie geben Rückschlüsse auf die Beziehungssituation. Darüber kann sich beispielsweise ein noch offener Konflikt zeigen, eine zu früh verlorene Bindung,  eine vorhandene Trauer oder eine andere Störung innerhalb der Familie/Beziehung. Folgende Fragen können dabei entstehen: Wo sind die Beziehungsebenen unklar? Wo wird der Tod eines Kindes/eines Familienmitgliedes verschwiegen oder vergessen? Wo nimmt ein Kind eine Eltern- oder Partnerposition ein?

Zielstellungen sind, unsichtbare Bindungen und unklare Familienkonstellationen transparent zu machen, um besser verstehen zu können, was eigentlich ist. Bindungen zu stärken, das familiäre Beziehungsnetz wieder zu vervollständigen und Ablösungen (nicht Abbrüche!) zu ermöglichen.
Es kann aber auch an der Entwicklung von Lösungsmöglichkeiten gearbeitet werden, in dem die Stellvertreter beispielsweise aufgefordert werden, ihr Positionen oder Körperhaltungen zu verändern und dabei erkannt wird, wie sich dann das gesamte Familien-System verändert.

Wie geht das?                  

Am Anfang werden nur wenige Informationen erfragt; beispielsweise welche Personen gehören zur Familie, bedeutsame Ereignisse aus der Vergangenheit, etwa Todesfälle, schwere Erkrankungen, Scheidungen, Umzüge.
Dann wird der Ratsuchende (Aufsteller) aufgefordert, für die Personen der Familie aus der Gruppe Stellvertreter auszusuchen um diese schweigend und ohne Begründung im Raum aufzustellen. „So wie es passt.“ Also jedem einem Platz zu geben und dabei ganz der eigenen Intuition zu folgen. Anschließend werden die Stellvertreter nach ihren Körperempfindungen, Gefühlen, Impulsen, Gedanken befragt. Die Stellvertreter stellen einfach nur ihre (Körper-)Wahrnehmungen zur Verfügung und berichten über ihre Gefühle und Impulse, möglichst ohne eigene Hypothesen einzubringen. Dabei können sich durchaus heftige körperliche oder gefühlsmäßige Zustände bei den stellvertretenden Personen entwickeln. Sie empfinden Wärme oder Kälte, Nähe oder Distanz, Zuneigung oder Abneigung gegenüber anderen Familienmitgliedern.

Der Ratsuchende beobachtet anfangs dabei hauptsächlich das Geschehen. Während der Befragung der Stellvertreter nimmt der Aufstellende auch diese Positionen zum Teil mit ein, um die verschiedenen Sichtweisen und Positionen kennenzulernen. Er hat hier die Möglichkeit, dem Stellvertreter eigene Fragen zu stellen. Beispielsweise: „Vater, wie geht es Dir mit Deiner Frau, mit Deiner ersten Tochter, mit Deinem zweiten Sohn?“
Am Ende der Aufstellung kann der Ratsuchende aufgefordert werden, den Platz mit seinem Stellvertreter zu tauschen um eine gefundene Lösungskonstellation nicht nur zu sehen, sondern vor allem zu spüren. So kann der Ratsuchende ein „inneres Lösungsbild“ mitnehmen, das in ihm weiter arbeiten und reifen kann. Die dahinter liegende Idee ist, dass ein solches Bild eine eigene Kraft hat und im Alltag eine gute Wirkung entfalten wird.

Familienaufstellungen sind hilfreich für Menschen

  •     die trotz aller Liebe das Zusammenleben in Freundschaft, Partnerschaft, Ehe und Familie als schwierig erleben
  •     die sich Sorgen machen, um die seelische, geistige oder körperliche Entwicklung ihrer Kinder oder anderer Familienmitglieder
  •     die allein leben, trotz des Wunsches nach einer Partnerschaft
  •     welche die Beziehungen in ihrer Gegenwarts- oder Herkunftsfamilie trotz bester Absichten (immer wieder) als belastend erfahren
  •     die Klärung suchen bei eigenen seelischen oder körperlichen Störungen oder Krankheiten
  •     ihren Platz im Leben finden möchten
  •     die den Blick auf Lösungsmöglichkeiten lenken wollen


Nicht nur die eigene Aufstellung, sondern allein das „Dabeisein“ in der Gruppe bringt die eigene Seele zum Schwingen.
Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind und einmal dabei bei sein möchten, melden Sie sich an. Ich freue mich auf Sie!

Herzliche Grüße
Ihre Kathrin Stavenhagen