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Die Lust, in andere Rollen zu schlüpfen

 5. Die Lust, in fremde Rollen zu schlüpfenSein oder nicht sein - Nein, das ist nicht die Frage.

Die Frage ist, WAS, WIE oder WER will ich sein. Gerade jetzt zur Faschingszeit können wir unsere alltägliche Rolle ablegen und voller Enthusiasmus verschiedene andere Parts aus-leben, gestalten, experimentieren. Hier können wir uns komplett verwandeln durch Masken, Perücken, Kleidung, Gestik, Körperhaltung, Wort- und Ausdruckswahl, Mimik, Modulation, etc.



Es kann in Rollen geschlüpft werden, die uns reizvoll erscheinen, die Lust machen sie zu leben und sich darin auszuprobieren oder auszuagieren. Das Schöne an der Karnevalszeit ist, dass wir in dieser Rolle angenommen werden. Auch wenn ein Mann im Alltag eher ruhig und zurückhaltend ist, wird ihm die Rolle des extrovertierten Robin Hood zur Faschingszeit abgenommen und sogar von seinem Umfeld mitgelebt und mitgetragen.

Allerdings gibt es auch im normalen Leben immer wieder wechselnde Anforderungen und Lebensbereiche, die uns herausfordern und in denen wir ebenso in unterschiedliche Rollen leben. Wahrscheinlich eher unterbewusst, als bewusst. So erscheinen wir in unserer Berufstätigkeit oft anders, als Zuhause oder im Freizeitbereich. Die akkurate Personalchefin ist bei Treffen mit guten Freunden möglicherweise eher locker und leger. Der sehr kompetente, aber distanzierte Lehrer beim Sport eher gemütlich und freundschaftlich.

Diese verschiedenen Ich-Anteile hat jeder von uns in den verschiedensten Ausprägungen in sich. Diese Persönlichkeitsanteile oder Ich-Anteile sind Energien unserer Persönlichkeit, die aus dem Zusammenspiel mit unserer Umwelt entstanden sind und dazu beitragen, die Situationen zu bewältigen.

Claire Frederick beschreibt das so: Jeder Ich-Zustand besitzt seine eigenen, relativ überdauernden Affekte, Körperempfindungen, Erinnerungen, Fantasien und Verhaltensweisen, und er hat auch seine eigenen Wünsche, Träume und Bedürfnisse. Ich-Zustände stehen in ähnlicher Beziehung zueinander wie Familienmitglieder. Obgleich sie voneinander getrennt sind, tauschen sie doch Informationen aus, stehen in ständiger Kommunikation, weisen sich Rollen zu, verfolgen gemeinsame Projekte, Zwecke und Ziele. Wie in Familien kann es auch hier Grüppchen und Allianzen geben und ebenso Feindseligkeiten und Konflikte.


Spannend ist nun, welchen Charakter wir uns aktiv zur Faschingszeit aussuchen um diesen, und wenn es nur für wenige Stunden ist, auszufüllen und zu leben. Welche Gefühle, Körperempfindungen, Erinnerungen, Fantasien, Verhaltensweisen, Wünsche, Träume und Bedürfnisse ermöglicht diese Rolle?

Ich wünsche Ihnen eine aufregende bunte Zeit
Ihre Kathrin Stavenhagen